Für alle Gewässer mit erhöhtem Koordinationsbedarf – dazu gehört auch die Simme – werden im Kanton Bern Gewässerrichtpläne (GRP) erarbeitet. Diese Seite informiert über den aktuellen Stand der Planungs- und Umsetzungsarbeiten im Zusammenhang mit dem Gewässerrichtplan Simme.

Fliessgewässer transportieren Wasser und Geschiebe. Bei Hochwasserereignissen können sie zur Gefahr werden und Überschwemmungen verursachen. Daneben erfüllen Fliessgewässer aber auch zahlreiche Funktionen: Sie sind wichtig für den Grundwasserhaushalt, werden zur Produktion von Elektrizität genutzt, sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere und dienen als Freizeit- und Erholungsräume. Die Ansprüche an das Gewässer und die ufernahen Bereiche sind vielfältig und der Klimawandel bringt neue Herausforderungen mit sich. Der Gewässerrichtplan (GRP) zeigt den Handlungsbedarf bezüglich Hochwasserrisiken auf, stimmt die verschiedenen Interessen in Flussnähe aufeinander ab und benennt Massnahmen, um den angestrebten Zielzustand der Simme in Zukunft zu erreichen.
Fluss, Schiene, Strasse und Siedlung auf engem Raum (Quelle: Holinger AG)
Die kanalisierte Simme oberhalb der Lenk (Quelle: Holinger AG)
Bildlegende: Mündung des Chirels in die Simme bei Oey (Quelle: Holinger AG)
Aktuell
Die Arbeiten am Gewässerrichtplan Simme sind im Herbst 2023 gestartet.
In einem ersten Schritt wurde der heutige Zustand des Gewässers erfasst und im Austausch mit der Begleitgruppe und dem Fachausschuss der Entwurf für das Fachleitbild erstellt. Das Leitbild skizziert die Vision der künftigen Simme und es enthält generell für den ganzen Flusslauf der Simme die angestrebten Ziele für die Bereiche Hochwasserschutz und Wasserbau, Ökologie und Gesellschaft.
Im Winter 2025/2026 wird das Massnahmenkonzept erarbeitet. Dazu fanden im Herbst 2025 auf der ganzen Länge der Simme Begehungen mit den Vertretern der jeweiligen Gemeinden und Schwellenkorporationen statt. Anschliessend wird der eigentliche Richtplan erarbeitet.
Videostatement 1: Kreisoberingenieur Markus Wyss erklärt, den Auslöser und die Ziele des GRP Simme
Videostatement 2: Markus Wyss: Auf welche Fragen gibt der GRP Simme Antworten? Wem nützt der GRP? (Quelle: YouTube-Kanal TBA)
Ausgangslage
Die Simme ist rund 50 Kilometer lang und weist sehr unterschiedliche Flussabschnitte auf. Mal sind die Ufer wild und kaum zugänglich, mal verbaut und von Wiesen gesäumt. Je nach Abschnitt haben der Hochwasserschutz, der Geschiebetrieb, angrenzende Siedlungen oder landwirtschaftliche Nutzungen, der Wert als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, der Tourismus oder die Materialentnahme eine andere Bedeutung.
Derzeit sind an vier Abschnitten an der Simme Wasserbauplanungen im Gange, die im Gewässerrichtplan Simme Berücksichtigung finden.
Wertvolles Wiesland im Talboden (Quelle: Holinger AG)
Simmewehr zur Stromproduktion im Werk Spiez (Quelle: Holinger AG)
Hochwasser 2023 (Quelle: swisstopo Rapid Mapping)
Perimeter
Für den Wasser- und Geschiebehaushalt der Simme ist das ganze Einzugsgebiet des Flusses von Bedeutung und wird deshalb im Betrachtungsperimeter berücksichtigt. Bezüglich der Massnahmen wird sich der GRP aber auf die Simme selbst und deren Nahbereich konzentrieren.

Ziele des GRP Simme
Der GRP soll sicherstellen, dass möglichst alle Interessen und Anliegen an die Simme (Hochwasserschutz, Ökologie, Landwirtschaft, Naherholung, Wasserversorgung etc.) in die Weiterentwicklung des Gewässersystems einfliessen. Der GRP ist für Organisationen der öffentlichen Hand (kommunale und kantonale Behörden, regionale Planungsträger, Wasserbaupflichtige, etc.) verbindlich. Er zeigt auf, in welchen Abschnitten, welche Massnahmen zur Zielerreichung vorgesehen sind. Die konkrete Planung wasserbaulicher Massnahmen erfolgt im Rahmen nachfolgender Wasserbauprojekte durch die Wasserbaupflichtigen.
Konkrete Ziele des GRP Simme sind:
- Der GRP schafft die Voraussetzungen, damit sich Hochwasserereignisse wie im 2005 nicht mehr so katastrophal auswirken können und die Schäden durch Hochwasser und Erosion auf ein für Menschen, Tiere und Sachwerte vertretbares Mass reduziert werden. Bevor bauliche Massnahmen zum Thema werden, soll das Potenzial organisatorischer und raumplanerischer Massnahmen ausgeschöpft werden.
- Der GRP zeigt auf, wo die gesetzliche Pflicht nach einem naturnahen Gewässerzustand umgesetzt wird und die Simme einheimischen Pflanzen- und Tierarten wertvolle Lebensräume bieten soll.
- Die Anliegen der kantonalen Wassernutzungsstrategie finden Berücksichtigung.
- Die Herausforderungen durch den Klimawandel werden bedacht und in den Massnahmen berücksichtigt.
- Der GRP erleichtert einen koordinierten und effizienten Gewässerunterhalt.
Der Planungshorizont des Gewässerrichtplans Simme liegt bei 15 bis 25 Jahren.
Simmehochwasser an der Lenk, 1930 (Archiv OIK I)
Zerstörte Brücke bei Boltigen, 1944 (Archiv OIK I)
Überschwemmtes Bahntrasse bei St. Stephan (Archiv OIK I)
Übergeordneter Nutzen des GRP
- Der GRP gibt Planungssicherheit bei der Raumentwicklung in Gewässernähe. Davon profitieren Landwirtschafts-, Siedlungs-, Infrastruktur-, Verkehrs- und Freizeitanliegen.
- Behörden, Gemeinden und Schwellenkorporationen erhalten Klarheit, welche Anliegen und Nutzungen an welchem Ort Priorität haben. Langwierige Zielsetzungsdiskussionen auf der Ebene von Wasserbauprojekten werden so reduziert.
- Der Bedarf bezüglich Hochwasserschutz-, Instandstellungs- und Unterhaltsmassnahmen ist definiert und deren Dringlichkeit geklärt.
- Die unterschiedlichen Nutzungsansprüche an den gewässernahen Raum wurden erfasst, sorgfältig abgewogen und je nach Abschnitt berücksichtigt.
- Durch die Betrachtung des gesamten Flusslaufs entstehen Spielräume. Anliegen, die in einem Abschnitt zu kurz kommen, können anderswo bevorzugt behandelt werden.
Projektorganisation

Vorgehen
Der GRP Simme wird in mehreren Schritten erarbeitet. Die Entwicklung des Leitbildes, des Massnahmenkonzepts und der Massnahmenblätter wird durch die Begleitgruppe und den Fachausschuss begleitet. Dazu finden Begehungen mit den Schwellenkorporationen und Gemeinden statt. Die Bevölkerung kann sich im Rahmen der Mitwirkung zum Entwurf des GRP Simme äussern. Für den Beschluss und die Genehmigung des GRP ist der Regierungsrat zuständig.

Aktueller Planungsstand / Zeitlicher Ablauf
Die Arbeiten am GRP Simme haben im Herbst 2023 begonnen.
Nach der Sichtung der Grundlagen wurde bis Mitte 2025 das Leitbild erarbeitet und mit der Begleitgruppe und dem Fachausschuss diskutiert.
Definitives Fachleitbild und Massnahmenkonzept: bis Frühling 2026
Massnahmenblätter / Entwurf GRP: bis ca. Ende 2026
Mitwirkung: ca. im Frühling 2027
Planerlass: ca. Ende 2027
Übernahme der Inhalte: ca. Ende 2028
Wasserbauprojekte


Medien / Kommunikation / Newsletter
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